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28.05.2021

"AMBITIONIERT, ABER NICHT VERBISSEN"

Seit August 2020 wird die GC Sektion Handball von einem neuen Präsidenten und einer neuen Vorstandscrew geführt. Welche Ziele der neue Präsident Felix Rübel mit seinem Team erreichen will, was die Sektion künftig stark machen soll, wo allenfalls noch Steine auf dem Weg dahin auszuräumen sind und warum er früher als GC Mitglied gehänselt wurde erzählt er im Interview.

GC INSIDER: Felix Rübel, Sie sind seit August 2020 Präsident der GC Sektion Handball. Halten wir es mit Roger Schawinski und fragen: Wer sind Sie?
Felix Rübel: Ich habe beim ZMC Amicitia, dem damaligen Stadtrivalen von GC Handball, alle Juniorenstufen durchlaufen und, da ich als Spieler zu wenig gut war, für viele Jahre Juniorenteams trainiert, bis ich in die USA ging. Gerade die Zeit als Handballtrainer hat mich stark geprägt und war ein tolles Erlebnis. Ich war stolz, beim damals erfolgreichsten Verein der Schweiz Juniorenteams trainieren zu können und habe neben dem Studium praktisch meine gesamte Freizeit für den Handball eingesetzt. Obwohl ich in den letzten fast 30 Jahren überhaupt nichts mehr mit Handball zu tun hatte, waren es diese Erlebnisse, die mich bis heute emotional mit dem Sport verbinden, so dass ich mich für eine neues Engagement begeistern konnte.

Beim ZMC Amicitia haben Sie viele Jahre verbracht, aber eigentlich sind Sie auch ein Grasshopper…
Ja, seit gut 45 Jahren spiele ich im Grasshopper Club begeistert Tennis, was bei uns schon fast Familientradition ist. Mein Bruder Martin ist heute Präsident von GC Tennis Couvert. Als Junior bei Amicitia wurde ich häufig deswegen gehänselt, zum einen galt Tennis damals als Bonzen-Sport, zum anderen war im Handball GC der Erzrivale. Seit die beiden ehemaligen Rivalen, GC Handball und ZMC Amicitia vereint sind, fühle ich mich nun doppelt zu Hause.

Ein Zuhause, das in der jüngeren Vergangenheit auf eine bewegte Zeit zurückblickt. Wie sind Sie zu Ihrem Amt gekommen?
Ende 2019 war neben dem Geschäftsführer auch der gesamte Vorstand der GC Handballsektion zurückgetreten. Der Verein stand damit sowohl personell als auch finanziell mit dem Rücken zur Wand und es war unklar, ob und wie es weitergehen sollte. Zum Glück fand sich eine Gruppe echter, verdienter Freunde von GC Amicitia, die bereit war, das Boot interimistisch auf Kurs zu halten. An der Präsidentenkonferenz der 12 Sektionen zusammen mit dem Zentralvorstand hat Peter Marti als Interimspräsident von GC Amicitia die schwierige Ausgangssituation geschildert. Es wurde jemand gesucht, der etwas von Handball versteht, einen starken Bezug zu GC hat und Managementerfahrung aufweist. Mein Bruder und Andy Csonka vom Zentralvorstand brachten mich ins Gespräch. So kam es zu intensiven Gesprächen mit Peter Marti, Mike Funk und Stefan Laszlo. Schlussendlich war für mich ausschlaggebend gewesen, dass wir ein tolles Team zusammenstellen konnten und dass die Basisarbeit im Nachwuchsbereich kerngesund und vorbildlich war.

Mit welchen Hauptzielen sind Sie angetreten und welche Umstände haben Sie beim Start angetroffen?

In einem ersten Schritt ging es darum, die Situation des Vereins zu verstehen und zu stabilisieren. Wir führten mit allen zentralen Personen des Vereins einen Workshop durch. Das Resultat war für mich enorm positiv: Ich habe gemerkt, dass viele motivierte und kompetente Mitglieder offenbar nur darauf gewartet, ihre Ideen umsetzen zu können - und vom Vorstand die nötigen Rahmenbedingungen geliefert zu bekommen. Während ich vereinsintern nur positive Überraschungen erfuhr, stimmte mich ein bisschen traurig, dass das Image von GC ausserhalb des Vereins wegen zu vieler Unruheherde gelitten hat. Deshalb ist es auch unsere Aufgabe, die Aussenwahrnehmung zu verbessern.

Seit bald einem Jahr leiten Sie nun mit Ihren Kollegen die Geschicke der GC Sektion Handball: Was hat sich in dieser Zeit geändert?
Im Frauenbereich war der kurzfristige Handlungsbedarf am grössten und es ist von enormer Wichtigkeit, dass wir mit der ehemaligen Spitzenspielerin Gabriela Kern zum ersten Mal (!) eine Frau für den Vorstand gewinnen konnten, die von Jasmin Zimmermann und Anja Nötzli unterstützt wird. In diesem Bereich haben wir seit Jahren das Problem, dass uns unsere talentiertesten Spielerinnen, die aus der, von Gernot Drossel geführten, starken Juniorinnenabteilung hervorkommen, von der Konkurrenz bereits im Alter von 16 oder 17 Jahren abgeworben werden. Das führt dazu, dass unsere NLA-Mannschaft nur beschränkt konkurrenzfähig ist und deshalb auch für die nächste Generation für junge Spielerinnen nicht attraktiv genug ist. Diesen Teufelskreis müssen wir durchbrechen. Es ist uns gelungen, mit Kent Ballegaard einen Top-Trainer aus dem Land des Weltmeisters Dänemark für unser Team zu engagieren. Zudem haben wir für unsere Top-Talente das Amazonenprogramm eingeführt, mit dem wir sie optimal fördern und längerfristig von unserem Verein überzeugen möchten.

Zum Verein gehört auch der Juniorenbereich…

Der Nachwuchsbereich bei den Männern unter der Führung von Simon Massari und Thomas Rosser steht auf solider Basis. Alle Elite-Teams, wenn sie denn spielen dürften, gehören zur nationalen Spitze und unsere 1.-Liga-Mannschaft hätte dieses Jahr gute Chancen gehabt, in die NLB aufzusteigen. Analog zu den Amazonen haben wir bei den Männern das Titanen-Programm eingeführt, das für die Top-Talente den Weg in unsere NLA ebnen soll. Natürlich gibt es auch hier Handlungsbedarf, wir sind nicht mehr so dominant wie wir das einmal waren und es wird einiges an Arbeit brauchen, um dies wieder zu erreichen.

Wie sieht die finanzielle Situation in der Sektion aus?
Wir wollen solide wirtschaften. Unser Finanzchef Thomas Arnold lässt nichts unversucht, vermehrt auf die Freiwilligenarbeit zu setzen, damit die vorhandenen Mittel unmittelbar für den Sport eingesetzt werden können. Natürlich müssen wir auch die Suche nach Sponsoren und Gönnern intensivieren, was in Zeiten von Corona durch den Wegfall von physischen Treffen nicht einfach ist. Erfahrungen, die wohl auch von anderen Sektionen gemacht werden. Ausserdem wollen wir eine Vereinigung der Ehemaligen & Freunde von GC Amicitia aufbauen, um den hunderten von Spielern, Trainern und Funktionären, die uns über die letzten Jahrzehnte verlassen haben, eine Möglichkeit zu geben, mit ihren Freunden von damals und dem Verein in Kontakt zu bleiben.

Wie stark wird die Sektion durch die Pandemie belastet?
Unser Ziel ist es, möglichst vielen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine spannende und sinnvolle Freizeitbeschäftigung anbieten zu können, bei der sie sich persönlich entwickeln können. Das ist uns in diesem Jahr nur sehr beschränkt gelungen, da während grossen Teilen des Jahres der Trainings- und Spielbetrieb eingestellt werden musste oder zumindest stark eingeschränkt war. Nur unsere beiden NLA-Teams konnten nahezu normal trainieren und spielen.

Die Handballsektion und die NLA-Herren-Mannschat sind organisatorisch und rechtlich zweigeteilt. Welche Vorteile resultieren daraus, abgesehen von der finanziellen Risikoabsicherung?

Ich bin in froh, dass das Männer NLA Team von der GC Handball Sektion mit ihren 26 Teams getrennt wurde. Zum einen wäre es für einen ehrenamtlichen Vorstand gar nicht möglich, sowohl den Verein, als auch die Männer NLA-Mannschaft zu führen. Der Aufwand für die NLA erfordert eine eigene Führung. Zudem sind die Fähigkeiten, die die Führung beider Bereiche erfordert, sehr unterschiedlich. Bei der NLA geht es darum, ein konkurrenzfähiges Team aus eigenen, aber auch international bewährten Spielern zusammenzustellen, mit Spielervertretern zu verhandeln, einen ausgewiesenen Trainer zu finden und das Ganze durch Sponsoren und Gönner zu finanzieren. Bei der Sektion sind die Aufgaben des Vorstands sehr ähnlich den Aufgaben einer Geschäftsleitung bei einer Firma. Wir müssen solide Strukturen schaffen und an allen Positionen fähige, bezahlte oder ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter finden. Grosse Bedeutung kommt der Rekrutierung und Ausbildung unserer rund 40 Trainerinnen und Trainer zu, denn ihre Qualität und Begeisterung entscheidet darüber, wieviel Spass und Erfolg unsere Teams haben. Sie sind der eigentliche Kern unserer Sektion. Da ich Unternehmer und nicht Politiker bin, wird bei uns kein Geld ausgegeben, das wir nicht haben. Und schliesslich muss man ein Herz für den Handball haben, man muss mitzittern, wenn nicht alles rund läuft und kann sich freuen, wenn es Erfolge zu feiern gibt. Sport ist Emotion, wenn man die nicht spürt, ist man am falschen Ort.

Interview: Lorenz Barazetti