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23.08.2019

FUSSBALL | GC IN DER CHALLENG LEAGUE – EIN STÜCK ZÄHER ARBEIT

Ein Selbstläufer ist die Rückkehr in die Super League für die Grasshopper nicht – zumindest nicht in dieser Saison, der wohl zweitletzten vor der geplanten Erweiterung der Elite. Das bestätigten schon die ersten Runden, trotz drei knappen GC-Siegen bis zur ersten Niederlage. Die Challenge League ist eben kein Spektakel, sondern oft zähe Arbeit. Man weiss es ja – wenigstens in der Theorie. Ein „Hopper“ kennt es aus eigener Praxis, Uli Forte, der Trainer.

 

Forte ist hierzulande ja der Experte Nummer 1, wenn es darum geht, gefallene Grössen wieder dorthin zurückzuführen, wo sie sich zugehörig fühlen. So hat er 2008/09 den FC St. Gallen aus den Niederungen der Challenge League ohne Umweg in die Super League zurückgebracht. Er hat dasselbe vor drei Jahren mit dem FCZ gemacht. Beide Male gelang das relativ problemlos. Mit dem FCZ marschierte er mit sieben Siegen und einem Unentschieden durch die ersten acht Runden. Bis zur Winterpause blieb er ungeschlagen. Deshalb hatte der da schon zwölf Punkte Reserve auf Neuchâtel Xamax.

Man kann auch sagen, Forte habe damals den Auftrag seines Präsidenten Ancillo Canepa mit einem Super-League-Kader erfüllt. Das aber ist jetzt bei GC anders. Da nimmt er nun Anlauf gleichsam mit einem Challenge-League-Aufgebot. Das kann sehr wohl gut genug sein für den direkten Aufstieg oder mindestens die Barrage. Aber es wird ein harter Kampf oder wie es Forte dieser Tage sagte: „Es wird ein heisser Tanz bis zum Schluss.“ Das zeigt schon die – allerdings sehr frühe – Zwischenbilanz nach fünf Runden: Dreimal haben Fortes Grasshoppers gewonnen, aber stets nur mit einem Tor Differenz. Als sie ein erstes Mal in Rückstand gerieten, verloren sie gegen den FC Schaffhausen 0:1. Und als ihnen das nun gegen den FC Winterthur gleich zweimal widerfuhr, siegten sie wieder nicht. Immerhin war es eine kämpferisch gute Vorstellung, für ein 2:2 zweimal auszugleichen – und das in Unterzahl.

5 Spiele/10 Punkte – das ist in Ordnung. Aber das sind nicht die 13 Punkte wie mit dem FCZ oder die gar 15 mit St. Gallen. Es ist eben auch nicht ein Überflieger am Werk, sondern ein Team, das gegen jeden Gegner aus dieser oft unterschätzten Liga hart arbeiten muss – und sei es der Aufsteiger Stade Lausanne-Ouchy. „Grundsätzlich positiv“, beurteilt Forte das Zwischenergebnis. Die Leistung gegen Winterthur war auch schon wieder deutlich besser als jene gegen Schaffhausen. Einen „gefühlten Sieg“ und einen „mit Leidenschaft erkämpften und deshalb wertvollen Punkt“, nannte er das Remis gegen den Nachbarn. Dass die Chancen, vor allem jene ganz früh, für einen Sieg hätten reichen müssen, ärgerte bei GC jeden.

Und so sieht’s bei den Gegnern aus:

Lausanne-Sport ist gemäss Prognosen und ersten Eindrücken Aufstiegsfavorit Nummer 1. Trainer Giorgio Contini erhielt die Chance, die – mit Platz 3 – missglückte vergangene Saison selbst zu korrigieren. Die wichtigste Massnahme: Stjepan Kukuruzovic, der schon in Vaduz und St. Gallen unter Contini arbeitete, wurde zum Leader im zentralen Mittelfeld. Contini hat nun den Eindruck, die Kabine ganz hinter sich zu haben – anders offenbar als in seinem ersten Jahr in der Waadt. Lausanne ist das eine Schwergewicht in dieser Liga, das andere könnten – oder: müssten – die Grasshoppers sein.

Der FC Aarau schrieb das spektakuläre letzte Kapitel der vergangenen Saison, als er die Barrage gegen Xamax trotz eines 4:0-Auswärtssieges im Hinspiel noch verlor. Seine Mannschaft ist nun zumindest nominell nicht mehr ganz so gut wie zuletzt. Sich einen Spitzenplatz einfach so zum Ziel setzen können die Aarauer und ihr Trainer Patrick Rahmen jedenfalls nicht. Ein Halbschwergewicht in dieser Liga sind sie doch, aber auch eines, das schwer berechenbar ist. Das dann also mal GC einen grossen Kampf lieferte und ein paar Tage später in Chiasso nach einem 2:0 noch 2:4 verliert.

Ein Halbschwergewicht sollte auch der FC Winterthur sein, obwohl er Opfer des bisher mit Abstand aufsehenerregendsten Resultats wurde: Er verlor daheim gegen Lausanne 0:6. Immerhin, er konnte darauf reagieren mit vier Punkten aus den Auswärtsspielen in Vaduz und gegen GC. Das zeigt, dass er doch über eine gewisse Basis verfügt, denn es fehlen ihm seit der Startrunde die beiden wichtigsten Spieler, Abwehrchef Sead Hajrovic und „Boss“ Davide Callà. Auch deshalb und weil der eine oder andere nicht in Bestform ist, spielt der FCW nicht mehr als ordentlich – nicht so gut, wie man aufgrund der Vorbereitung und dem Startspiel gegen Aarau dachte.

Mittelgewichte zu nennen sind am ehesten Wil, Schaffhausen und Vaduz. Alle drei Vereine werden von Trainern mit GC-Vergangenheit geführt, für den einen oder andern dürfte es zu einem Platz in der oberen Tabellenhälfte reichen – aber Gedanken an die Spitze wären verfehlt. Murat und Hakan Yakin haben in Schaffhausen eine zusammengewürfelte Truppe zuerst mal zu einer Einheit zu formen. Ciri Sforzas FC Wil setzt ganz auf junge Spieler, mit denen zu arbeiten ja als Qualität dieses Trainers gilt. Und im „Ländle“ ist Mario Frick noch immer eher ein Neuling in seinem Fach. Die Vaduzer haben aber auch klar gemacht, dass für sie ein Platz in der oberen Hälfte das gehobene Saisonziel ist. Von der Super League ist, zwei Jahre nach dem Abstieg, jedenfalls nicht mehr die Rede.

Bleiben gleichsam die drei Leichtgewichte, von denen jedes zweifelsfrei mehr als zufrieden ist, wenn es die Klasse einigermassen problemlos halten kann. Aber einer aus der Troika Kriens/Chiasso/Stade Lausanne-Ouchy wird absteigen, alles andere Variante wäre eine grosse Überraschung. Bisher machte Kriens in seinem zweiten Challenge-League-Jahr am ehesten den Eindruck, stabil genug zu sein, sicher oben zu bleiben. Es ist ja auch einige Routine im Kader. Zwar fällt Abwehrchef Daniel Fanger für die Vorrunde aus. Aber zu ihm und Skorer Nico Siegrist kamen mit Aufbauer Burim Kukeli und Stürmer Igor Tadic zwei „Mitt-Dreissiger“, die allein schon mit ihrer Erfahrung ein Gewinn sein müssen.

In Chiasso ists wie immer: Eigentlich sind die Tessiner für alle Abstiegskandidat Nummer 1, aber dann ziehen sie den Kopf doch immer wieder aus der Schlinge – wie im Mai mit einem Sieg in der letzten Runde in Wil (und dank der denkbar unglücklich-knappen Niederlage Rapperswil-Jonas in Aarau). Der FC Chiasso also ist eine Wundertüte, auch wegen der für ihn typischen Winter-Transfers. Stade Lausanne-Ouchy ist das sicher weniger. Es ist eine gut geschulte, solide Mannschaft. Aber noch verliert sie etwas gar oft auch dann, wenn sie gut gespielt hat. Ob SLO auf Dauer die Substanz für die Liga hat – diese Frage jedenfalls ist noch nicht beantwortet.

Und dann wäre da noch die Erinnerung an die Saison 1950/51, als die Grasshoppers zum bisher einzigen Mal ein Aufsteiger in die höchste Liga, die Nationalliga A, waren. Damals schafften sie den Durchmarsch in einer Art, wie er heute schon nicht mehr möglich ist. Von 26 Spielen gewannen sie 25; die 50 Punkte, die sie nach Zweipunkteregel holten, wären heutzutage 75. Der Tabellenzweite FC Bern hatte, auf heute umgerechnet, am Ende 22 Punkte Rückstand. Nicht weniger als 116 Tore schoss GC in jener Saison: Fredy Bickel 31, Robert Ballaman 18, Edi Berbig und Roger Vonlanthen (damals erst 20) je 15. Wer diese Namen liest, wundert sich nicht, dass die Hoppers ein Jahr später als Neuling Meister wurden – einen Punkt vor dem FCZ. Aber es sei auch daran erinnert: Aufgestiegen sind sie damals erst im zweiten Anlauf.

Hansjörig Schifferli