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26.06.2020

FUSSBALL | KOMMENTAR ZUM BESITZERWECHSEL DER GRASSHOPPER FUSSBALL AG

"GC in chinesischen Händen", so oder ähnlich lauteten am 9. April die Schlagzeilen in den Medien. Dies nachdem die Grasshopper Fussball AG (GFAG) mitgeteilt hatte, dass die Champion Union HK Holdings Limited aus Hongkong 90 Prozent der Anteile der Grasshopper Fussball AG erworben habe.

Statt der bisherigen Hauptaktionäre und Geldgeber – zuletzt noch Stephan Anliker und Peter Stüber – sind es mit dem Verkauf der Aktien nun chinesische Investoren, welche in der GFAG das Sagen haben und somit für den GC den professionellen Fussballsport betreiben. Die Rechtsgrundlage hierfür bildet die Lizenzvereinbarung, mit welcher der Grasshopper Club Zürich (GC) der GFAG die Rechte zur (kommerziellen) Nutzung seiner Marke einräumt.

Auch wenn der GC als Gesamtverein mit seinen zwölf Sektionen von diesem Verkauf nur am Rande tangiert ist, bedeutet er zweifelsohne eine Zäsur: Der traditionsreichste, namhafteste und erfolgreichste Schweizer Fussball Club wird von ausländischen Investoren übernommen und kontrolliert. Dass die Investoren ausgerechnet aus China kommen, verstärkt die Skepsis und schürt Emotionen. Auch dem Zentralvorstand wäre ein Investor aus der Schweiz, noch besser aus Zürich, lieber gewesen. Kritischen Stimmen, die den "Verkauf des GC ins Ausland" beklagen, ist indessen in Erinnerung zu rufen: Seit mehr als 15 Jahren stand der GC finanziell mit beelendender Regelmässigkeit mit dem Rücken zur Wand. Zwar fanden sich jeweils "in letzter Stunde" Geldgeber, die den GC unterstützten und damit vor dem drohenden Untergang retteten. Ein Investor aber, der die für den längerfristigen Aufbau notwendigen, sehr hohen Mittel zur Verfügung zu stellen bereit gewesen wäre, konnte trotz aller Bemühungen nie gefunden werden.

Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass das internationale Fussballgeschäft längst den schweizerischen Verhältnissen entwachsen ist und ein Verein ohne "Synergien mit dem Ausland" kommerziell kaum noch erfolgreich geführt werden kann. Dies gilt erst recht für Zürich mit seinem unrühmlichen, seit mehr als 10 Jahren andauernden Trauerspiel um das neue Stadion!

Im Vorfeld des Verkaufs konnte sich der Zentralvorstand in seiner Verantwortung als Hüter und Lizenzgeber der Marke GC überzeugen, dass die Vereinbarungen mit der Käuferin dem GC eine vielversprechende Zukunft in Aussicht stellen. Er hat deshalb auch einstimmig beschlossen, der GFAG unter der neuen Eigentümerin im Rahmen des erwähnten Lizenzvertrages das Recht zur Führung der Marke GC einzuräumen.

Erklärtes Ziel der Käuferin ist es, an die glorreiche Fussball-Vergangenheit anzuknüpfen und den GC an die Spitze der Super League zurückzuführen. In der Folge soll GC selbst auf europäischem Niveau wieder eine aktive Rolle einnehmen. Hierfür hat sich die Käuferin denn auch vertraglich verpflichtet, in den kommenden Jahren einen hohen Betrag bereit zu stellen.

Teilweise misslungen ist den neuen Führungsverantwortlichen der Start auf medialer Ebene: Mit ihren GC nicht immer würdigen Auftritten haben sie einen unprofessionellen Eindruck hinterlassen. Dies ist umso bedauerlicher, als der Mannschaft unter dem neuen Trainer (und bisherigen Co-Trainer), Zoltan Kadar, der Auftakt mit dem Kantersieg gegen Aarau vollauf geglückt ist. András Gurovits und Fredy Bickel ist es in den Monaten seit dem Abstieg mit ihren überlegten, unprätentiösen und der Sache verpflichteten Auftritten gelungen, das in der Vergangenheit arg in Mitleidenschaft gezogene Image des GC wieder aufzuwerten. Es bleibt zu hoffen, dass sich die neuen Verantwortlichen an dieser Kultur orientieren und darauf aufbauen.
Mit der von András Gurovits neu konzipierten Grasshopper Fussball Stiftung besteht überdies ein Gefäss, das die Identität und den Zürcher Charakter des Clubs mit seiner tiefen Verankerung in den Gönnervereinigungen, Fanclubs und der Zürcher Gesellschaft weiterhin bewahrt. Und letztlich ist es auch die Aufgabe und Verantwortung des ZV, sicherzustellen, dass die GFAG auch unter neuer Eigentümerschaft unsere Werte hochhält, die Kultur des GC lebt und GC eben GC bleibt!

Ein grosser Dank gilt den Herren Peter Stüber und Stephan Anliker: Sie haben den GC auch in schwierigen Jahren loyal und grosszügig unterstützt und sichergestellt, dass GC Fussball nicht in die Hand von zwielichtigen Spekulanten gerät. András Gurovits, der in ihrem Auftrag den Evaluationsprozess leitete, hat die Verhandlungen mit der Käuferin erfolgreich zum Abschluss geführt und dabei für GC ein hervorragendes Ergebnis erzielt. Gleichzeitig hat er als einziger Verwaltungsrat die Führung der GFAG in einer schwierigen Zeit übernommen und souverän geführt. Zu danken hat GC sodann Fredy Bickel, der bekanntlich im September des vergangenen Jahres die Geschäftsführung der GFAG in einer turbulenten Zeit übernahm. Es ist ihm und seinem Team mit beherztem Engagement in kurzer Zeit gelungen, die GFAG nach dem Abstieg zu reorganisieren und mit einem massiv gekürzten Budget auf ein neues Ziel einzuschwören.
Der neuen Führung wünschen wir eine glückliche Hand.

Dr. Andres Iten
Präsident GC Zentralvorstand