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27.09.2019

HANDBALL| FRAUEN SPL1 TEAM: MISSION IMPRESSIVE

In der Not treten die traditionellen Werte ins Scheinwerferlicht. Längst bestimmen Opportunismus und Finanzspritzen den Lauf der Dinge in der Welt des Sports. Aber wenn plötzlich echte Loyalität, Kampfgeist und Zusammenhalt das Spiel bestimmen – was geschieht dann? Auch wenn die traditionellen Werte nicht ganz freiwillig zum Einsatz kommen, dem SPL1 Team von GC Amicitia Zürich gehört unsere ganze Anerkennung. Die Geschichte einer Durststrecke mit Ansage:

Verunsicherung ist leicht zu überzeugen

Nach der durchwachsen beendeten letzten Saison und dem Weggang von Trainer Toni Kern nutzten manche Ligakonkurrenten die Verunsicherung im Team, welches nun im Umbruch stand. Mit Erfolg. Viele Schlüsselspielerinnen wählten den mehr versprechenden Weg – und die besseren Angebote von Yellow Winterthur, dem HSC Kreuzlingen oder den Spono Eagles. Einige sagten dem Handballsport ade. Nur eine Handvoll loyaler junger Frauen blieb dem Team erhalten.

Engagiert auf der Suche

Natürlich wurde versucht, erfahrene Spitzenspielerinnen an Bord zu holen. Auch aus dem angrenzenden Ausland. Da gehört jeweils auch dazu, dass für eine Spielerin ein Job in der Schweiz gesucht werden muss. Für eine routinierte Dame aus Deutschland konnte sogar ein Vorstellungsgespräch bei einem namhaften Unternehmen in die Wege geleitet werden. Doch da hörte der Einflussbereich des Vereins auch auf. Andere ausländische Akteurinnen auf der Suche nach einem neuen Verein machten den Vergleich – und der fiel leider zuungunsten von GC Amicitia Zürich aus. Der Meistbietende macht das Rennen – und wohl kaum der Abstiegsrunden-Teilnehmer der letzten Saison. Aber zumindest konnte mit Ike Cotrina ein kompetenter Coach verpflichtet werden. Er legte mit seiner guten Arbeit den Grundstein für den neuen Teamspirit. Dazu übernahm mit Norman Kietzmann ein kompetenter Mann die sportliche Leitung.

Breit abgestützte Nachwuchsförderung

Der grösste Handballverein der Schweiz baut auf eine vorbildliche Nachwuchsförderung. In diese wird viel Geld, Kompetenz und Engagement investiert. Auch wenn dieses Geld beim Anheuern von Top-Spielerinnen nun fehlte – die Jugend ist die Zukunft eines jeden Vereins. In dieser Beziehung hat jedoch GC Amicitia Zürich mit einem weiteren Dilemma zu kämpfen: Ausnahmetalente wurden schon früh von den Starken der Liga angelockt und abgeworben. Weil den Zürchern unter anderem auch die Mittel fehlen, überdurchschnittliche Eigengewächse in den eigenen Reihen zu halten. Die guten Jahrgänge sind jedoch unterwegs. In der letzten Saison wurde die FU16 unter der Leitung von Gernot Drossel Schweizer Meister. Dass er nun Ike Cotrina temporär als Assistenz-Trainer zur Seite steht, macht Sinn, denn im jungen Kader des SPL1 Teams stehen neu viele Nachwuchsspielerinnen.

Genügsamkeit ist eine Tugend

Einige Spielerinnen der FU18 wie auch die grössten Talente des zweiten Teams erhielten das Aufgebot. Mit der klaren Auflage, dass vermehrt auch Doppeleinsätze zu leisten wären. Die jungen Frauen stellten sich mutig der kommenden, schweren Aufgabe. Doch wissen alle von ihnen mit Bestimmtheit, was auf sie zukommt? Wie gehen sie damit um, schon jetzt als sicherer Abstiegskandidat zu gelten? Glauben sie an diese Wunder, die immer wieder passieren, zum Beispiel, wenn ein auf dem Papier unterlegenes Team den haushohen Favoriten aus dem Cup-Wettbewerb kegelt? Wie gehen die Spielerinnen damit um, wenn sie von den Titelfavoriten niedergekantert werden? Aber wir alle könnten dieses beeindruckende junge Team neben dem Feld entscheidend verstärken und damit den Spielausgang beeinflussen – mit unserer lautstarken Unterstützung vor Ort in der Saalsporthalle.

Unsere kleine Weltstadt

Manche glauben, das Überangebot an Events in der Stadt Zürich ist schuld daran, dass die Menschen den sportlichen Veranstaltungen fernbleiben. Vielleicht mit Ausnahme vom Eishockey. Darunter leidet auch der weit populärere Fussball. Zürich ist definitiv keine Handball-Hochburg, das beweisen viel kleinere Städte wie Winterthur oder Schaffhausen mit weit höheren Zuschauerzahlen. Aber die Saalsporthalle liegt inmitten eines grossen Einzugsgebiets. Wenn das Interesse finanzstarker Investoren geweckt werden könnte, liesse sich mit der bestehenden Infrastruktur und dem personellen Potenzial bestimmt einiges erreichen.
Aber so bleiben für das Zürcher SPL1 Team nur die klassischen Werte wie Loyalität, Kampf- sowie Teamgeist übrig, um die Saison zu bestreiten und gegen oftmals übermächtige Gegnerinnen den Kürzeren zu ziehen. Doch darum geht es im Sport: Erhobenen Hauptes den Kampf aufzunehmen und mit derselben Haltung eine Niederlage annehmen zu können, Erfahrungen zu sammeln und an den hohen Herausforderungen zu wachsen. Es geht nicht um den Sieg allein. Echter Sport ist eine harte Lebensschule und davonlaufen gilt nicht. Es ist nun an uns, die jungen Frauen von GC Amicitia Zürich darin zu bestärken, konsequent ihren Weg zu gehen. Dafür verdienen sie einen nicht versiegen wollenden Applaus – aufrichtig und von ganzem Herzen!

Thomas Ritter, Pressesprecher GC Amicitia Zürich