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23.08.2019

HANDBALL | ROMAN BACHMANN: EIN VERSPRECHEN FÜR DIE ZUKUNFT

Mit Roman Bachmann (17) haben die Grasshoppereinen äusserst talentierten Nachwuchs-Torhüter, den sie behutsam aufbauen werden, um ihn dereinst in der NLA einsetzen zu können. In der kommenden Saison wird er neben der U19 auch in der 1. Liga-Mannschaft das Tor hüten und wöchentlich ein Training mit dem NLA Team bestreiten.

GC Nachwuchschef Thomas Rosser kennt den in Dietikon aufgewachsenen Roman Bachmann seit dessen Eintritt in die Kunst- und Sportschule Zürich. Und seit er in der GC U15 spielte, lernte er ihn in den Trainings sehr gut kennen. Rosser ist von den Fähigkeiten des Youngsters überzeugt: "Roman ist technisch hoch begabt, mit diesem Vorzug kann er die eigentlich für einen Handball-Goalie fehlenden Zentimeter an Körperlänge kompensieren." Und dann verfügt Roman Bachmann gemäss Rosser noch über einen weiteren nicht unbedeutenden Vorteil: "Roman ist unglaublich ehrgeizig, will unbedingt gewinnen, ist ein echter Kämpfertyp. Vor allem in den beiden letzten Jahren hat er sich diesbezüglich noch enorm weiterentwickelt - und er wächst auch noch!"

Nationale Spitze

Roman Bachmann gehört in seiner Altersgruppe zur nationalen Goalie-Spitze, das sagt nicht nur er selbst, der GC Nachwuchschef bestätigt diese Einschätzung. Überhaupt glaubt man Roman diese Selbsteinschätzung, denn von einem "Bluffer" ist Roman Bachmann weit entfernt. Er ist eher ruhig, sagt nicht zu viel, möchte offensichtlich vor allem durch Taten beeindrucken. So wie er dies in der GC U15 und U17 tat, das gleiche wird er in der kommenden Saison in der U19 sein. Und er hat auch gleich das Ziel parat, das er durch persönlich gute Leistungen mit seinen Kollegen erreichen will: einen Spitzenplatz, wenn nicht gar den Meistertitel. "Wir haben diesen schon mit der U15 gewonnen und wurden mit der U17 Vizemeister, die jetzt auch das Gerippe des U19-Teams bildet, also sollten wir auch eine Alterskategorie höher zu ähnlichen Leistungen fähig sein." Um auch in einer höheren Kategorie Erfahrungen sammeln zu können, wird Roman Bachmann auch in der 1. Liga-Mannschaft des Grasshopper Club eingesetzt werden. Und auch der Coach des NLA Teams, Arno Ehret kann sich wöchentlich einmal ein Bild des Nachwuchs-Goalies machen, wenn er mit dem NLA Team trainiert. "Der grösste Unterschied sind die wesentlich härteren Schüsse der NLA-Spieler, die können dann schon mal mit hundert Stundenkilometer aus kürzester Distanz auf meinen Körper fliegen", stellt Roman Bachmann fest. Auf die Frage, ob ein junger Sportler nicht etwas "verrückt" sein muss, wenn er sich freiwillig diesen Schüssen auszusetzt, antwortet er mit einer Gegenfrage: "Sind nicht die anderen etwas "verrückt", wenn sie auf mich Geschosse loslassen?"

Für zu klein befunden

Sport ist in der Familie Bachmann ein Thema. Vater Roger, Stadtpräsident Dietikon, spielte früher Feldhandball, weshalb auch Roger zu diesem Sport kam. "Als ich ein kleiner Junge war, besuchten wir ein Handballspiel, bei dem mich ein Torhüter durch seine Paraden beeindruckt hat. Fortan stand für ich fest, dass auch ich Torhüter werden will." Der Wille war also da, aber die Möglichkeit eröffnete sich ihm vorerst nicht. "Ich wurde im HC Dietikon für diese Position als zu klein beurteilt", weiss Roman, also wurde er an den Flügel gestellt. Als dann aber bei einem Turnier alle drei Torhüter ausgefallen waren, war seine Chance gekommen - und er nützte sie. Seither steht er zwischen den Pfosten und zeigt gute Leistungen. "Über diese diskutieren wir am Familientisch aber nicht, obwohl mein Vater praktisch bei jedem Heimspiel unter den Zuschauern ist. In der Familie unterhalten wir uns über andere Dinge, das ist mein persönlicher Wunsch", sagt Roman Bachmann. Elfjährig hat er sich für die Sportschule K+S in Zürich beworben und absolvierte gleichzeitig ein Probetraining beim Grasshopper Club - und wurde aufgenommen. "Offenbar habe ich einen vernünftigen Eindruck hinterlassen", mutmasst Roman Bachmann. Damit hatte er auch ein erstes Ziel erreicht, nämlich in einem Club zu spielen, der ihm dereinst ermöglichen kann, auf höherem Niveau zu spielen. Das trat denn auch so ein. Später, bei der U15 Elite war er zunächst hinter zwei älteren Goalies die Nummer 3, hat sich dann aber nach vorne gearbeitet und als Nummer zwei jeweils eine Halbzeit gespielt. "Ein wichtiger Schritt für mich war auch, dass ich in die Regionalauswahl berufen wurde. Dort wurde auch der Nati-Trainer auf mich aufmerksam. So kannte ich meine Fähigkeiten auch auf internationalem Parkett unter Beweis stellen. Vor zwei Monaten haben wir mit der U17-Nati die European Opens bestritten und den 10. Platz erreicht. Das Umfeld fand diese Klassierung gut, ich aber war nicht zufrieden. Es wäre für uns mehr drin gelegen. Aber so wurde allen klar, dass wir noch mehr an uns arbeiten müssen, um das Niveau zu steigern und international besser bestehen zu können. Mich hat vor allem auch beeindruckt, welch tollen Handball die kleinen Färöer gezeigt haben. In der B-Europameisterschaft werden wir auf den Inselstaat treffen..."

Inzwischen absolviert Roman Bachmann das zweite KV Lehrjahr in der United School of Sports in Zürich. Ein Jahr Schule und zwei Jahre Praxis stehen ihm noch bevor, bis er dann das Diplom abschliessen kann. Bis dahin will er zum Goalie-Kreis der GC NLA Mannschaft gehören. Dafür setzt er sich voll ein, verzichtet dabei auf Freizeit mit Kollegen oder andere Ablenkungen. "Ausser an spielfreien Wochenenden, da kann ich dann schon mal in den Ausgang gehen", sagt Roman. Im übrigen ist er auf seinen Lieblingssport fokussiert. Wenn er nicht die Schule bzw. die Trainings besucht, sitzt er am Laptop und schaut alles, was er an Videos über reputierte Handball-Goalies auftreiben kann. "Durch dieses Studium kann ich meine Fähigkeiten weiter entwickeln, die da sind: Aktionen antizipieren, die Würfe aus dem Rückraum gut lesen. Ich sehe am Handgelenk, ob die Bälle links oder rechts an meinen Vorderleuten vorbei auf mich zufliegen." Zudem wird er im Handballtraining vornehmlich von NLA-Gaolie Nikola Marinovic und Thomas Wolfer zielgerichtet ausgebildet.

Roman Bachmann wird weiterhin hart arbeiten, denn Handball ist seine grosse Passion. Er will im GC Spitze werden und auch in der Nati: "Die Konkurrenz ist gross." Da muss er sich durchsetzen, um seine Ziele zu erreichen, die das sind: GC NLA und Schweizer Nati, sowie später in einem Bundesliga-Spitzenteam im Tor stehen. Wenn man berücksichtigt, dass ein Handball-Goalie in der Regel erst 25-jährig "reif" ist und man weiss, dass Roman Bachmann erst 17 Lenze zählt, sind seine Ziele realistisch.

Eugen Desiderato