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25.01.2019

RUDERN | JAHRHUNDERT-RENOVATION

Der Zahn der Zeit nagte am GC Bootshaus, vor allem auch in den letzten Jahren traten „Altersbeschwerden“ zutage, sodass sich die Verantwortlichen zur umfassenden Renovation entschlossen.  Die entsprechenden Arbeiten konnten im Dezember pünktlich zum 100jährigen Bestehen des GC Bootshauses abgeschlossen und anlässlich des „Weihnachtsachters 2018“ den Ruderern wieder vollumfänglich zur Nutzung übergeben werden. 

Das am 14. Juli (quatorze Juillet!) 1918 eingeweihte GC Bootshaus am Mythenquai 81 in Zürich ersetzte mehrere Schuppen, die an selber Stelle seit Gründung (1904) der GC Sektion Rudern zur Unterbringung der Boote dienten. Das Bootshaus bot der Ruderfamilie eine geschätzte Heimat. Aufgrund seiner einzigartigen Bauart ist das Haus im Inventar der schützenswerten Liegenschaften der Denkmalpflege der Stadt Zürich aufgeführt. Damit einher geht die Verantwortung für die Erhaltung und Pflege der einmaligen Bauten, was der Sektion einerseits erhebliche finanzielle Lasten aufbürdet – andererseits das Bootshaus als solches schützt. Eine erste gründlichere Sanierung wurde 1977 durchgeführt, nachdem während der Kriegsjahre die Unterhaltsarbeiten auf ein Minimum reduziert werden mussten. Aber der Zahn der Zeit nagte weiter am Bau, vor allem auch in den letzten Jahren traten „Altersbeschwerden“ zutage, sodass sich die Verantwortlichen zur umfassenden Renovation entschlossen.  Die entsprechenden Arbeiten konnten pünktlich zum 100jährigen Bestehen des GC Bootshauses im Dezember abgeschlossen und anlässlich des „Weihnachtsachters 2018“ den Ruderern wieder vollumfänglich zur Nutzung übergeben werden. 

Der GC INSIDER hat den Sektionspräsidenten Tobias Fankhauser zu diesem Anlass befragt.

GC INSIDER: Worin lag die Notwendigkeit, eine Renovation durchzuführen?

Tobias Fankhauser: "Der Zahn der Zeit ist auch am GC Bootshaus nicht spurlos vorbeigegangen. Nach diversen kleineren Renovationen in der Vergangenheit kam ca. 2010 zunächst der Plan auf, das Bootshaus energietechnisch zu sanieren. Im Rahmen der diesbezüglichen Planung zeigte sich jedoch schnell, dass nicht nur der Zustand der Fenster und die Isolation des Bootshauses im Argen lagen, sondern noch viel mehr dringend saniert werden musste (Stichwort: sämtliche Leitungen etc.). Eine solche Sanierung rief aber auch danach, unser Bootshaus bei dieser Gelegenheit generell bestmöglich zu optimieren und damit eine gesunde und wohl überfällige Weiterentwicklung des Bootshauses ermöglichen.

Insbesondere das zweite Obergeschoss, welches bis anhin zwar die Wohnung des Bootshauswarts beherbergte, ansonsten aber zu rund zwei Dritteln aus nicht viel mehr als einer „Gerümpel-Kammer“ bestand, sollte endlich besser genutzt werden. Ursprünglich war in diesen Räumen ein grosser Gymnastikraum eingebaut, der aus statischen Gründen jedoch zu einem Lager umfunktioniert worden war. Neben der neu angeordneten Bootshauswart-Wohnung entstand im zweiten Obergeschoss nun ein Trainer-Büro mit eigener Nasszelle, ein Ruheraum für die Athleten, ein grosser und schöner Multifunktionsraum, sowie ein zusätzlicher kleinerer Raum, welcher je nach Bedarf vom Club genutzt oder zur Bootshauswar­twohnung geschlagen werden kann. Im ersten Obergeschoss wurden die Clubküche und die WC-Anlagen umfassend erneuert sowie der Erker gegen die Stadt hin in eine sehr attraktive Lounge mit Verbindung zum grossen Clubzimmer umgebaut. Überdies wurde neben den WC-Anlagen ein direkter Zugang zur Terrasse in Richtung Parkplatz geschaffen, so dass der Zugang nicht mehr über die Garderobe zu erfolgen hat. Isoliert wurden nicht nur sämtliche alten, im Original erhaltenen Fenster im Bootshaus, sondern auch die Decke in der Bootshalle, sämtliche Aussenwände im zweiten Obergeschoss sowie der Estrichboden, so dass nun im gesamten Bootshaus sowohl im Sommer als auch im Winter endlich eine möglichst angenehme Temperatur herrscht und zweifelsohne auch massiv Heizkosten gespart werden können. Im Zuge der ganzen Renovationsarbeiten wurden zugleich und separat finanziert, auch noch – längst überfällig – die Bootslagergestelle und der Kraftraum in der Bootshalle auf den neusten technischen Stand gebracht, so dass die Ruderer nun auch an Land über eine ausgezeichnete Trainingsinfrastruktur verfügen."  

Wie gestalteten sich die Arbeiten?

"Die Arbeiten gestalteten sich, wie bei einem älteren Gebäude auch nicht anders zu erwarten nicht sehr einfach, doch dank der Umsichtigen Planung und Bauleitung durch unseren Architekten in Zusammenarbeit mit der Baukommission des Clubs, klappte diese ausgezeichnet."

Wurden ausschliesslich werterhaltende Arbeiten durchgeführt oder auch „kosmetische“?

"Neben den bereits erwähnten werterhaltenden und wertsteigernden Arbeiten wurden selbstverständlich auch kosmetische Arbeiten, wie die Pinselrenovation und Auffrischung der Böden in diversen Räumlichkeiten durchgeführt."

Waren Profis am Werk, oder haben sich auch Mitglieder mit Fronarbeit am Projekt beteiligt?

"Beim Auf-, Aus- und Einräumen des Bootshauses waren sehr fleissige Mitglieder am Werk, die Bauarbeiten erfolgten jedoch durch hervorragende Profis aus den Reihen des Grasshopper Club oder mit GC affinen Unternehmungen wie beispielsweise Baumeister Rüttimann, Elektro Hensel, Schaub Maler, Berchtold Holzbau oder Spross."

Der Terminplan wurde offenbar eingehalten, traten keine Schwierigkeiten am doch schon in die Jahre gekommenen Bau auf?

"Der Terminplan wurde erfreulich sehr gut eingehalten. Die einzige, aufgetretene Überraschung war der erst im Laufe der Arbeiten entdeckten Balkenbruch in der Garderobe und kleinere statische Sünden im Dachgebälk, welche bei früheren Arbeiten entstanden sind."

Wer zeichnete für das Projekt verantwortlich?

"Das war primär unser Architekt Reto Pirovino. Und die Zusammenarbeit der Baukommission des Clubs mit dem Architekten verlief bestens."

Konnte der Kostenrahmen eingehalten werden? Wer beteiligte sich an der Finanzierung?

"Die definitive Abrechnung liegt noch nicht vor, doch wir gehen davon aus, dass der Kostenrahmen mit allen Reserven ausgeschöpft werden musste. Finanziert wurde das ganze Projekt zu mehr als der Hälfte durch Mittel des Clubs und grosszügige Spenden von Mitgliedern, den ZKS sowie verschiedene Stiftungen. All diesen Personen und Institutionen danken wir auch an dieser Stelle ganz herzlich für ihre enorme Grosszügigkeit, ohne die dieses Projekt niemals hätte realisiert werden können."

Sie sind also mit dem Ergebnis rundum zufrieden?

"Ja, das bin ich. Wir GC Ruderer freuen uns ausserordentlich, dass unser GC Bootshaus auf dessen 100. Geburtstag hin und auch für die Zukunft wieder fit gemacht werden konnte. Unsere Vorfahren haben 1918 gezeigt, was man für die GC Ruderfamilie Wunderbares schaffen kann. Wir sind sehr dankbar für all das, was uns unsere GC Ruderer-Vorfahren geschafft haben. Genau so dankbar und stolz dürfen auch unsere nachfolgenden Generationen von GC Ruderern sein, nachdem unser Bootshaus, die geliebte Heimat aller GC Ruderer wieder auf den neusten Stand gebracht worden ist. Diese Investition in unsere Zukunft war es wert und wird ist es auch weiterhin mehr als wert sein."

Wie lange werden die GC Ruderer jetzt vor weiteren Investitionen verschont bleiben?

"Grössere Investitionen im Umfang dieser soeben erfolgten Jahrhundert-Renovation werden nun wohl einige Zeit auf sich warten lassen können, doch unser wunderschönes GC Bootshaus will auch weiterhin unterhalten sein. Weitere Investitionen werden somit auch in Zukunft erforderlich sein. Wie es sich gehört, werden dafür jährlich Rückstellungen gebildet. Schönes und Liebes muss und will stets gepflegt werden".

Interview: Eugen Desiderato