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23.08.2019

SERIE LEBENDE GC LEGENDEN | RENATO SAITTA, CURLING

Renato Saitta (68) hinterliess während seiner rund 18-jährigen Vorstandstätigkeit, dabei von 1996 bis 2004 als Präsident, bei der GC Sektion Curling Spuren. Er steigerte markant die Mitgliederzahl, sorgte dafür, dass das spielerische Niveau gehoben wurde, fand für die GC Curler eine neue Heimat und pflegte das Gesellschaftliche. Die Liste könnte noch fortgesetzt werden.

Dabei glaubte der im Glarnerland aufgewachsene passionierte Skifahrer und Berggänger im falschen Film zu sitzen, als er von einem Freund angefragt wurde, ob er ihn zu einem Curling-Plausch begleiten würde. „Du bist doch noch nicht so alt“, sagte sich der damals 33-jährige Renato Saitta, als er in die Dolder Curlinghalle eingeladen wurde. Man muss wissen, dass das Curling zu jener Zeit das Image eines „Altherren-Sports“ hatte und Zyniker Curler gar „sportliche Alkoholiker“ bezeichneten, wohl abgeleitet vom Brauch, dass das siegreiche Team den Gegner jeweils zu einem Apéro einlädt, der je nach Gemütslage, dann und wann auch etwas ausufern konnte. „Ich liess mich aber doch überreden - und fand Gefallen“, blickt Renato Saitta zurück. Es war sicher ein guter Entscheid, auch für die GC Sektion Curling. Denn Renato Saitta, als 33-Jähriger eingetreten, betätigte sich nicht nur als Aktiver ("Bereits nach kurzer Zeit wurde ich Skip..."), sondern engagierte sich auch bald für die Sektion. Zusammen mit Kollegen setzte er sich zum Ziel, durch die Rekrutierung neuer Mitglieder den Altersdurchschnitt markant zu senken. Dafür liess er sich, bald einmal als Spielleiter tätig, einige Neuerungen einfallen. „Ich wollte unbedingt erreichen, dass das uns auf der Dolder-Bahn zur Verfügung stehende Eis auch genutzt wird.“ Fortan wurden Trainings eingeführt und Teams zusammengestellt, die an Meisterschaften teilnehmen. Denn bis dahin nahmen die Hopper vornehmlich an Einladungsturnieren teil. „Wir haben es in jenen Jahren erreicht, dass wir mit einem Team in der obersten Liga vertreten waren“. 

Gesetzte Ziele erreicht

Renato Saitta: „An den Olympischen Spielen 1998 im japanischen Nagano mussten die Outdoor Wettbewerbe wegen schlechter Witterungsbedingungen abgesagt werden. Das führte dazu, dass das Schweizer Fernsehen die Übertragungszeit für Hallenevents einsetzte und u.a. die Spiele des nachmaligen Curling-Gold-Teams von Patrick Hürlimann übertrug. Das gab unserem Sport hierzulande einen Schub, von dem auch wir profitieren konnten.“

Bei diesem Engagement war es nur logisch, dass Renato Saitta 1996 zum Präsidenten der GC Sektion Curling gewählt wurde. Für seine Präsidialzeit (bis 2004) setzte er sich drei Ziele, die auch erreicht wurden: Er sorgte dafür, dass die GC Curler weiterhin sportlich eine Rolle spielen. "Heute ist es allerdings nicht mehr realistisch, dass kleine Clubs wie wir eine Mannschaft mit internationalem Niveau halten können, aber wir stellen doch jeweils Curlerinnen und Curler in Teams ab, die Medaillen gewinnen", sagt Saitta. Sein zweites Ziel war, dass er den „GC Style“ gewahrte, will heissen, dass er darauf achtete, dass in der Sektion neben dem Sportlichen das Gesellschaftliche einen hohen Stellenwert behielt und u.a. der legendäre GC Trophy Ball jährlich durchgeführt wird und schuf zur Finanzierung dieses Anlasses einen Sponsorenclub. Und auch das dritte Ziel wurde erreicht: Seit Saittas "Regentschaft" treten die GC Curler im einheitlichen Tenü auf. 

Seine mit dem GC Trophy Ball gewonnene Erfahrung setzte er 1999 bei der Organisation des GC Ball im Hotel Baur au Lac um. „Es ist sicherlich für eine kleine Sektion nicht ganz unproblematisch, den Traditionsball des GC Gesamtclubs durchzuführen. Dank der Unterstützung eines engagierten Teams gelang uns dies aber und wir erinnern uns noch gerne an dieses Ereignis“, blickt Renato Saitta nicht ohne Stolz zurück. Und er hat auch eine Empfehlung an die aktuellen GC Sektions-Verantwortlichen: "GC muss den Vorteil eines polysportiven Clubs nutzen und die Kontakte unter den verschiedenen Sektionen intensivieren, nicht nur sportlich, sondern auch gesellschaftlich."

Neue Heimat 

In seiner insgesamt 18-jährigen Vorstandszugehörigkeit sorgte Renato Saitta aber auch noch für weitere bedeutende Entwicklungsschritte. Der wohl bedeutendste: GC Curling war in der Dolder Curlinghalle zu Hause. Sie war allerdings in die Jahre gekommen. Das Dach war undicht, worauf Wasser auf das Eis tropfte und Curling auf höchstem Niveau eigentlich nicht mehr zuliess. Es musste über Alternativen nachgedacht werden, vor allem weil die dort beheimateten Curling Clubs sich nicht über die nötige Renovation einigen konnten. Weil in Küsnacht eine neue Vier-Rink-Anlage in Betrieb genommen aber nicht ausgelastet war, nahm Renato Saitta mit den dortigen Verantwortlichen Kontakt auf. Die Verhandlung wurden positiv abgeschlossen und GC Curling hatte 2004 eine neue Heimat gefunden.

Heute spielt Renato Saitta als Pensionär dann und wann noch einen Curlingstein, unterstützt eine Damenmannschaft, die er früher als Girls zum GC Curling gebracht hat, und bastelt an seinen beiden Oldtimer-Autos. Um sich dafür die nötigen Kenntnisse anzueignen, arbeitet er temporär in einer Autowerkstatt. Der studierte Architekt hat für seine dritte Lebensphase eine neue Leidenschaft entdeckt, ohne dem Curling oder gar dem Grasshopper Club den Rücken zu kehren.

Eugen Desiderato