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25.09.2020

TENNIS | AUS DEM REITSATTEL AUF DEN TENNISPLATZ

Annette Gruber hat als Juniorenverantwortliche im GC Tennis nicht nur über einhundert Jugendliche organisatorisch unter ihren Fittichen, arbeitet eng mit Headcoach Marco Wäger zusammen und sie gibt auch für die jüngste Kategorie Tennislektionen. Dabei führt sie die vier- bis sechsjährigen Kids ans Tennis heran, begeistert sie für diesen Sport. Und sie ist selbst auch aktiv, mit dem GC Damen-Team 30+ bestreitet sie die Interclubmeisterschaft. Dabei kommt Annette Gruber ursprünglich vom Reitsport.

Dass sie zum Tennis kam ist dem Umstand geschuldet, dass ihr damals fünfjähriger Sohn beim GC Tennis spielen wollte und Annette Gruber feststellte, dass sich niemand gezielt den ganz jungen Interessenten annahm. Also erinnerte sie sich ihrer ersten Gehversuche als Jugendliche auf dem Tennisplatz und entschied, diese Aufgabe zu übernehmen. Sie absolvierte die von Swiss Tennis angebotene Ausbildung und belegte Weiterbildungskurse bei J+S. Das war vor mehr als zehn Jahren. Seither hat sie pro Jahr rund 35 Mädchen und Buben in den Sport eingeführt. Annette Gruber: „Pro Woche gebe ich sieben Lektionen, versuche die Kids spielerisch an den Sport heranzuführen. Das beginnt mit ganz einfachen Übungen, bei denen vor allem die koordinativen Fähigkeiten ausgebildet werden müssen. Tennis ist ein extrem schwieriger Sport, es geht um Bewegung, man hat einen Schläger in der Hand, die Auge-Ball-Arm-Koordination muss stimmen. Anfänglich schlagen viele unter dem Ball durch, können dessen Flugbahn nicht einschätzen, müssen erst lernen, sich auf dem Platz richtig zu bewegen. Das alles bringe ich ihnen spielerisch bei. Um Punkte geht‘s bei mir nicht. Buben würden das gerne machen, sie suchen immer den Wettbewerb, den Vergleich, aber Mädchen sind da anders gestrickt, die agieren lieber im Team. Ich fördere auch das Selbstvertrauen der Kids, die Ausrede „das kann ich nicht“ lasse ich nicht gelten. Ich ermuntere sie, es dennoch zu versuchen, immer und immer wieder. Solange ein Kind Freude am Sport hat, wird weiter gearbeitet. Meistens klapp‘s ja dann auch, worauf die Freude über das Erreichte umso grösser ist.“ Der Erfolg gibt ihr recht: „Wenn ich über den Platz gehe, sehe ich viele Jugendliche, die ich an den Tennissport herangeführt habe. Das gibt mir ein sehr gutes Gefühl.“

Dabei hatte sie früher eine - bis zum heutigen Tag nicht gänzlich abgelegte - andere Leidenschaft: den Reitsport. Sie hatte eine besonders anspruchsvolle Disziplin gewählt, das Military-Reiten. „Das hat mich gefordert, die Vielseitigkeit hat mich fasziniert, übrigens auch mein Pferd. Da war in der täglichen Arbeit Abwechslung angesagt. Die Affinität zum Reitsport wurde ihr in die Wiege gelegt. Sie entstammt der Schwarzenbach-Reitfamilie, schon die Urgrossmutter sass auf dem Pferd, Grossvater und Vater waren gar Olympia-Teilnehmer. „Nur meine Generation, meine Schwester und ich, liess diesen Sport-Event aus, jetzt hoffen wir, dass die nächste Generation die Serie weiterführt“, erzählt Annette Gruber, und fügt an, dass die Aussichten nicht schlecht stünden. Durch die Heirat von Annettes Schwester mit dem österreichischen Top-Reiter Peppo Puch wurde die Schwarzenbach-Dynastie noch erweitert. Beide führen in Egg einen Reitstall. Pepo Puch wurde nicht nur durch seine Erfolge bekannt, sondern auch durch seinen ungeheuren Willen und seine Disziplin. 2008 brach er sich die Halswirbel und war querschnittgelähmt, schaffte es aber, wieder zu gehen und sitzt wieder im Sattel, erfolgreich wie zuvor. Bei den Paralympics 2012 in London und 2016 in Brasilien holte er Gold.

Wenn es die Mehrfachbelastung (Tennis-Lektionen, Mutter von drei Kindern) zulässt, sitzt Annette Gruber noch ab zu im Sattel. Denn die Liebe zu den Pferden ist ungebrochen. Nur zu einem anderen Ross konnte sie nie eine Bindung aufbauen: Obwohl sie in Velo-Distanz zur GC Tennisanlage Kartaus wohnt, schaffte sie es bisher nicht, sich aufs Stahlross zu schwingen...