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23.10.2020

TENNIS | GC CRACK FRENCH OPEN JUNIOREN-FINALIST

Leandro Riedi (18) spielt mit dem Grasshopper Club die Interclub-Meisterschaft und von Swiss Tennis wird er zusammen mit drei weiteren Talenten, Dominic Stricker (18) sowie Jêrome Kym (17) und Jeffrey von der Schulenburg (18, Schweizer Junioren-Meister 2020), auch mit GC im IC im Einsatz, gefördert. Das Quartett rechtfertig die Unterstützung: Die vier Youngsters bestritten die French Open 2020, wobei Riedi und Stricker zum ersten Mal überhaupt einen rein Schweizer Grand-Slam-Final bildeten, den Stricker etwas überraschend gegen den leicht favorisierten Riedi gewann, was den Grasshopper aber nicht traurig stimmte.

Obwohl es schon etwas hart war, gegen den Freund, den er zuvor in den bisher acht gespielten Partien jeweils besiegt hatte, ausgerechnet im bisher wichtigsten Match den Kürzeren zu ziehen. Riedi zeigt aber keinen Frust: „Dominic hat mich förmlich überrollt, spielte aggressiv und gut und hat verdient gewonnen. Ich bin trotzdem glücklich, zusammen mit Dominic Schweizer Tennisgeschichte geschrieben zu haben.“

Weil der Bassersdorfer Leandro Riedi in den bis dahin gegen seinen Berner Kollegen ausgetragenen acht Partien jeweils die Oberhand behalten hatte, wurde er vor dem Final als leichter Favorit gehandelt. Zumal er auch ohne Satzverlust in den Final gekommen war. Aber es kam anders: Der Berner Stricker erwischte einen optimalen Start und zog schnell auf 3:0 davon. Riedi konnte zwar den Rückstand verkürzen, schaffte aber im ersten Satz die Wende nicht. Und auch im zweiten Satz gelang dem Berner Linkshänder Sticker ein frühes Break. Leandro Riedi kämpfte sich aber zurück und konnte zum 3:3 ausgleichen, wehrte vier weitere Breakbälle ab und ging erstmals 4:3 in Führung, bevor Stricker ein weiterer Servicedurchbruch zum 5:4 gelang. Diesen Vorteil liess sich der Berner nicht mehr nehmen. Nach 61 Minuten stand sein Finalsieg mit seinem dritten Matchball dank einem Ass 6:2, 6:4 fest. Leandro Riedi konnte seinem Kollegen nur sportlich gratulieren, dem kurz danach auch noch das Kunststück gelang, an der Seite des Italieners Flavio Cobolli den Doppel-Titel zu gewinnen.

Ehrung durch GC Fussballer verschoben

Die Grasshopper Fussballer hätten Leandro Riedi für seinen Erfolg gerne geehrt. Er konnte aber der Einladung, als Ehrengast dem gestrigen Spiel gegen den FC Schaffhausen beizuwohnen, wegen Auslandabwesenheit nicht Folge leisten, versprach aber: "Ich fühle mich geehrt und werde gerne zu einem späteren Zeitpunkt ins Stadion Letzigrund zu kommen".

"Ein surreales Erlebnis"

Wie war's denn nach dem ersten "Schweizer Final" an den French Open? Leandro Riedi: "Überwältigend, ein fast surreales Erlebnis. Die Flut an Nachrichten auf meinem Handy war riesig. Nach dem Final fuhren wir direkt mit dem Auto zurück in die Schweiz, am Sonntag stellten wir uns anlässlich der von Swiss Tennis anberaumten Medienkonferenz den Journalisten. In den letzten Tagen hatte ich frei. Jetzt fühle ich mich gut, bin einfach noch etwas müde."

Für beide Finalisten war der Final der letzte Auftritt im Junioren-Tennis. Ab jetzt wollen sie eine Profikarriere lancieren. Die Schweizer Erfolge in der jüngeren Geschichte sind für sie Ansporn, dereinst vielleicht in die Fussstapfen ihrer Vorbilder treten zu können. Dass der Weg dahin steinig sein wird, ist auch für Leandro Riedi klar, der erstmals als Dreijähriger mit seinem Vater auf dem Tennisplatz den Schläger schwang. Seither hat er ungebrochene Freude an diesem Sport, hat sich sehr gut entwickelt und wurde 2013 von Swiss Tennis ins Förderprogramm und 2018 ins A-Kader aufgenommen. Marko Budic, Chef Leistungssport bei Grasshopper Tennis hatte ihn animiert, mit dem GC NLA Team die Interclub-Meisterschaft zu bestreiten. Ein Angebot, das Riedi sehr gerne angenommen hat, genoss er doch schon immer bei Auftritten an Schweizer Turnieren die Atmosphäre auf der Kartaus. "Auch im nächsten Jahr werde ich für den Grasshopper Club Interclub spielen, weil ich das GC Team absolut cool finde", verspricht Leandro Riedi, der nach Abschluss der obligatorischen Schule jetzt daran ist, englisch zu büffeln und das "First" abzuschliessen.

Nächster Schritt

Der nun angestrebte Schritt ins Profilager ist ein grosser und auch kostspieliger", stellen auch der stolze Präsident von Swiss Tennis, René Stammbach und Leandros Coach Yves Allegro fest. Mit eigenem Team belaufen sich die jährlichen Kosten auf 100'000 bis 150'000 Franken. Swiss Tennis will und wird die Talente auch auf dem individuellen Weg unterstützen, mit Geld und Infrastruktur fürs Training, aber auch mit einem Angebot an Turnieren in der Schweiz auf geeignetem Niveau. "Wir sind intensiv dabei, für 2021 passende Turniere, zum Beispiel Challenger-Turniere, auf die Beine zu stellen", stellte Stammbach an der Medienkonferenz in Aussicht. Neben der Unterstützung durch Swiss Tennis kann Leandro Riedi auch auf den Support der Schweizer Sporthilfe und die Firmen Nike, Wilson und Zenith zählen. Und am Tag nach dem grossen Final erhielt er von Swiss Tennis einen Check von 5'000 Franken. Leandro Riedi ist sich aber auch bewusst, dass "weiterhin tägliche harte Arbeit erforderlich ist", um die gesteckten Ziele zu erreichen. Vor allem will er seinen ersten Aufschlag verbessern und auch körperlich noch zulegen", sagt der 1,91 grosse Athlet.

Eugen Desiderato