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28.08.2020

TENNIS | TOTAL AUF TENNIS FOKUSSIERT

Das GC Herren-Team hat sich im NLA Interclub - auch ohne ausländische Spieler - bestens geschlagen und das primäre Ziel, die Finalrunde erreicht, ist aber im Halbfinal ausgeschieden. Die Enttäuschung darüber hielt nicht lange. Das Team hat bei einem Essen die eigenen Leistungen analysiert und abends unter Wahrung des angesagten Social Distancing am See auf die Leistung angestossen. GC INSIDER hat sich mit einem der hoffnungsvollen Talente unterhalten - mit Jeffrey von der Schulenburg (18).

„Mein älterer Bruder Henry konnte bereits im vergangenen Jahr im GC Team die NLA Meisterschaft Rado Interclub bestreiten. Er war begeistert, erzählte davon, dass diese zwei Wochen für ihn die beste Erfahrung im Tennisjahr war. Ich kann bestätigen, dass er kein bisschen übertrieben hat, durfte ich heuer doch die gleiche Erfahrung machen. Das Feeling im Team zu spielen, der Zusammenhalt, das gute Verständnis untereinander - das alles machte mich echt happy. Ich freue mich schon aufs nächste Jahr und hoffe, wieder Teil des GC Teams sein zu können.“

Jeffrey von der Schulenburg erzählt auch davon, dass er unbedingt dem Team, in dem er sich so gut aufgehoben fühlte, etwas zurückgeben und Punkte erspielen wollte, sich dadurch aber offenbar zu sehr unter Druck setzte und leider kein Einzelspiel siegreich gestalten konnte. Aber er hat schon in jungen Jahren gelernt, dass die Vergangenheit nicht zählt, dass negative Ergebnisse wohl analysiert aber möglichst rasch abgehakt werden müssen. Er fokussiert sich bereits auf die nächsten Einsätze.

Vor und nach dem Lockdown erfolgreich

Das Corona-Virus hat dem ambitionierten Junior einen Strich durch die Rechnung gemacht, die Juniors Grand Slam wurden (ausser French Open) abgesagt, und in einem Turnier in Tunesien stand er im Viertelfinal bevor das Turnier wegen Covid-19 gestoppt wurde. Im anderen Turnier schied er zuvor im Halbfinal aus. Jetzt konzentriert er sich darauf, in den „Futures“ ATP Punkte zu sammeln.

Der Lockdown hatte aber für Jeffrey auch eine gute Seite - er konnte sich wieder einmal vermehrt seinen Freunde widmen und der Re-start ist ihm auch gut gelungen. Nach dem Erreichen des Halbfinals im Turnier in Biel setzte er im Preisgeldturnier in Neuenburg noch einen drauf und reiste als Gewinner ab. Und gekrönt hat er diese Zeit mit dem Gewinn der Schweizer U18-Meisterschaft. „Meine Juniorenzeit mit dem Titel abzuschliessen, ist der absolute Hammer“, schwärmt Jeffrey von der Schulenburg.

Keine Überheblichkeit

Wieviele Titel hat er denn in seiner noch jungen Karriere geholt? Diese Frage kann er nicht beantworten, ist sich nicht ganz sicher: „Aber der erste war die Schweizermeisterschaft der U10, und danach kamen schon einige dazu. Gesichert ist indessen, dass ich diesbezüglich meinen Bruder überflügelt habe. Ich zähle die Titel nicht, was nicht überheblich klingen soll, aber für mich zählt immer der Augenblick. Wenn ich Erfolg habe geniesse ich diesen, gleich wie ich Misserfolge abhake. Dann geht es aber weiter, im nächsten Turnier zählt nur die dannzumal erbrachte Leistung“, so Jeffrey von der Schulenburg. Hier spricht ein angehender Profi. Den Weg dorthin will er jetzt forcieren und sich vermehrt auf das Tennis konzentrieren. Als A-Kadermitglied von Swiss Tennis wird er unterstützt, vom Verband und Sponsoren wie u.a. der Sporthilfe, von Reinhard Fromm, dem bekannten Förderer junger Tennistalente. „Mein grösster Sponsor sind aber meine Eltern“, wirft Jeffrey ein. „Sie wollten immer, dass wir Kinder das machen, was uns Freude bereitet und sind glücklich, dass wir schon einiges erreicht haben.“

Jeffrey von der Schulenburg ist in Düsseldorf, unweit eines Tennisplatzes aufgewachsen. Weil sein Bruder dort spielte und er ihm in allen Bereichen nacheifern wollte, verbrachte er auch viele Stunden auf dem Court, wo schliesslich sein Talent von den Trainern erkannt wurde. „Und dann nahm alles seinen Lauf“, erzählt Jeffrey. Das in Zürich wohnhafte GC Mitglied trainiert seit Jahren in Winterthur mit Roman Vögeli und neben dem Tennisplatz besuchte er die „Kunst- und Sportschule“, musste aber bald einmal feststellen, dass das Gymi und das Leistungstennis nicht vereinbar waren. Zu viele Absenzen durch das Bestreiten von Auslandsturnieren behinderten den Lernerfolg. Weil er später ohnehin in den USA studieren will, hat er sich in eine Online-High School eingeschrieben. „Anfänglich hatten mir als sozialem Mensch die Kontakte zu den Mitschülern gefehlt, aber inzwischen habe ich die Balance gefunden. Der eingeschlagene Weg hat sich bewährt. Während meinen Turnierteilnahmen (25 bis 30 Wochen pro Jahr im Ausland) kann ich weltweit den Schulstoff erarbeiten und mich gleichzeitig vermehrt dem Tennis widmen.“ Mit Erfolg, wie sich zeigt. Und wenn alles klappt, wird Jeffrey seinem Bruder nacheifern und im kommenden Januar sich auch einem USA Tennis-College anschliessen und sich auf die Profi-Karriere vorbereiten. Sollte allerdings die Tennis-Saison in den USA coronabedingt ausfallen, würde er seine Entwicklung hierzuland vorantreiben. Schliesslich hat er sich zum Ziel gesetzt, im ATP Ranking vorwärts zu kommen und seinen Lebensunterhalt mit Tennis bestreiten zu können. Dann kann der Inhaber des amerikanischen und Schweizer Passes auf seinen Auslandsreisen auch die in Übersee verstreute Familie besuchen, in den USA und in Südafrika - und dort sein geliebtes Bilton, eine besondere Art von Trockenfleisch geniessen, denn Essen ist eine grosse Leidenschaft von Jeffrey von der Schulenburg. En Guete.

Eugen Desiderato