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24.02.2017

SERIE | WER SIE WAREN, WAS SIE WURDEN

GC INSIDER erinnert in loser Folge an ehemalige GC Grössen. Wer sie waren, was sie wurden. Heute Fussballer Massimo Lombardo (44).

Schlaf wichtiger als Rolling Stones

Der Schweizerisch-italienische Doppelbürger Massimo Lombardo spielte von 1992 bis 1997 im GC Mittelfeld, errang in dieser Zeit mit dem Team zwei Meistertitel und einen Cupsieg und nahm an zwei Champions League Saisons teil. „Heute weiss Ich, dass ich beim GC meine erfolgreichste Zeit verbracht habe“, sagt der inzwischen als Nationaltrainer der Schweizer U16 tätige, im Tessin aufgewachsene Lombardo und erinnert mit grosser Freude und auch Genugtuung allein schon an die beiden Champions League-Teilnahmen (1995 und 1996): „Man muss sich in Erinnerung rufen, dass damals die europäische Königsklasse lediglich 16 Teams umfasste, und wir waren dabei. Das war doch eine grandiose Leistung!“ 

Massimo Lombardo war als 19-jähriges Talent von der AC Bellinzona zum GC gekommen und hat sich rasch eingelebt, er wuchs zur festen Grösse im GC Mittelfeld heran. „Grossen Anteil an meiner Entwicklung hat der damalige Trainer Christian Gross“, sagt der smarte Lombardo. „Gross hat es verstanden, uns zu Höchstleistungen zu führen, dafür bin ich ihm noch heute dankbar.“ Dass er damals auch unter den harten Trainings litt, ist inzwischen vergessen. Der Schreibende erinnert sich an ein Trainingslager in Brasilien. Die Hoppers waren in der Nähe von Rio de Janeiro im Quartier. Rockfan Christian Gross nahm die Gelegenheit wahr, zusammen mit dem Team als Abwechslung ein Konzert der gleichzeitig in Rio gastierenden Rolling Stones zu besuchen. Die Atmosphäre im alten Maracana Stadion war unbeschreiblich, Mick Jagger, Keith Richards und Co. begeisterten die 130’000 Zuhörer. Allein Massimo Lombardo sass auf der Steinrampe der Tribüne, eingeklemmt von vielen Beinen, liess er sich von den vielen, vielen Dezibel nicht beirren und schlief den Schlaf des Gerechten. Heute darauf angesprochen merkt er an, dass er wohl von den vorangegangenen Trainings kaputt und eine Erholung wichtiger war als den Rockstars zuzuhören, er wollte am nächsten Tag die Trainingseinheit wieder bestreiten können... 

Rund 300 Spiele in der höchsten Schweizer Liga

Seine Leistungen im Grasshopper-Mittelfeld, wo er eine wichtige Rolle spielte, führten Massimo Lombardo auch in die A-Nationalmannschaft, mit der er 15 Länderspiele (1 Treffer) absolvierte. 1997 realisierte er seinen früher einmal im GC MAGAZIN geäusserten Traum in Italien zu spielen. Rom, wie er hoffte („Egal, ob Lazio oder AS, Rom sollte es sein.“ Zitat Lombardo), wurde es nicht, dafür Perugia Calcio. Er half mit beim Aufstieg in die Serie A, wurde aber nicht wirklich glücklich. So kam er zurück in die Schweiz, in die Nähe seines Geburtsortes spielte er beim FC Lugano, dann bei Lausanne-Sport. Dann bei Servette bis der Konkurs über den einstigen Grossklub verhängt wurde. Er wechselte zum FC Meyrin und dann zu Xamax Neuenburg, wo er eigentlich seine Karriere, die ihn in rund 300 NLA-Spielen in alle Schweizer Stadien geführt hatte, beenden wollte. Dort wollte man ihn aber nicht mehr.

Vom Schnupperlehrling in den Trainerstaff des Schweizerischen Fussballverbandes

So zog Lombardo an den Genfersee und liess sich von einem Unternehmen helfen, das ehemalige Profisportler dabei unterstützt, ein neues Berufsleben anzufangen. Er besuchte Kurse, schnupperte – trotz seines Alters - in verschiedenen Firmen. Unter anderem arbeitete er auch kurz in einer Garage, die dem Präsidenten des damaligen Erstligaklubs Stade Nyonnais gehört. «Aber Fussball spielen wollte ich immer noch», sagte Lombardo zu jener Zeit der „NZZ“, «in einem Klub mit Ambitionen.» Im Sommer 2007 schloss er sich Stade Nyonnais in der 1. Liga an und stieg mit dem Team in die NLB auf und hatte wieder grosse Freude. Lombardo spielte im Mittelfeld, so, wie er es immer getan hat, aber er war gleichzeitig auch Assistenztrainer und verantwortlich für die Nachwuchsabteilung des Klubs. Diese ersten Führungserfahrungen zeigten ihm, dass er den Trainerberuf einschlagen sollte, obwohl er auch in einer anderen Branche hätte Fuss fassen können. „Aber ich liebe eben den Fussball und kenne mich in diesem Umfeld auch am besten aus“. Also trieb er die Trainerausbildung voran. 2012 stieg er mit Erfolg bei Servette als U18-Trainer ein und wechselte 2015 zum Schweizerischen Fussballverband und übernahm die Verantwortung für U15 Nationalmannschaft, seit 2016 führt er die U16-Nati. „Etliche Akteure sind mit sehr viel Talent ausgestattet. Es macht grosse Freude mit ihnen zu arbeiten und stimmt mich zuversichtlich für die Zukunft“, so Massimo Lombardo. Noch ein Jahr hat er Zeit, das Team zu formen und vorzubereiten, dann gilt es ernst. Im nächsten Herbst startet seine U16-Nati-Equipe dann zur Qualifikation für die U17-Europameisterschaft. Ziel ist es, dort die bestmögliche Leistung abzurufen und mindestens die Qualifikationsphase zu überstehen. Lombardo will die Spieler noch ballsicherer und defensiver machen, damit sie sich jeweils rasch auf die verschiedenen Spielsysteme und Spielkulturen einstellen können. Man befinde sich mitten in einer Entwicklungsphase, sagt Lombardo. Dabei meint er nicht nur die Spieler, sondern auch sich selber, der vor gut sechs Jahren in den Trainerberuf eingestiegen ist. „Ich will mich als Trainer weiterentwickeln. Ich habe erkannt, dass die Zeit des Lernens nie aufhört, gerade im schnelllebigen Fussballgeschäft nicht.“ Seine Aufgabe im Trainerstab des Schweizerischen Fussballverbandes ist für den SFV Instruktor „einerseits eine Herausforderung und andererseits einfach eine tolle Aufgabe“. 

Eugen Desiderato