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17.10.2018

Jaroslawl: Hockey mit anderen Strukturen

Richi Jost besucht als Nachwuchs-Sportchef der Lions immer wieder verschiedene Hockeyorganisationen aus der ganzen Welt. Zuletzt war er in Salzburg – das Overtime berichtete. «Es ist sehr wichtig, dass wir andere Organisationen sehen, um immer auf dem neusten Stand zu sein und einzelne Ideen aufzuschnappen», sagt Jost, der seit 2013 für die Nachwuchsabteilung der GCK/ZSC Lions verantwortlich ist. Dieses Jahr zieht es ihn mit Trainer Viktor Ignatiev für fünf Tage nach Russland. Knapp 300 Kilometer von Moskau entfernt – in Jaroslawl – besucht er das grosse Leistungszentrum von Lokomotive Jaroslawl. Ermöglicht hat das Ganze die Beziehung zwischen Ignatiev und dem Trainer der ersten Mannschaft Dmitri Kwartalnow, der die beiden eingeladen hat. «Wenn die zwei nicht so gute Freunde wären, wäre eine solche Besichtigung gar nicht möglich gewesen», so Jost.

Anderes Land, andere Sitten und Strukturen

Was gleich zu Beginn auffällt: Es gibt 60 Profitrainer, niemand arbeitet ehrenamtlich. «Zwei bis drei Trainer sind für ein Team verantwortlich und führen die Trainings auf eine sehr strikte und straffe Art und Weise. Beispielsweise dürfen die Eltern im Training nicht zuschauen. Die Kinder könnten zu sehr abgelenkt werden», erzählt Jost. Ein Klubbeitrag müssen die Kinder nicht bezahlen. Die Kosten werden durch die russische Bahngesellschaft Lokomotive übernommen. «Dadurch hat Jaroslawl extrem viele Möglichkeiten», sagt Jost und spricht ausserdem die Strukturen an. «Eishockey hat in Russland einen hohen Stellenwert, deswegen wird der Stundenplan der Schulen an die Hockeylektionen angepasst und nicht umgekehrt, wie es bei uns der Fall ist.» Das Eis sei von 8 Uhr morgens bis 21 Uhr abends durchgehend besetzt. Neben den vielen Eiszeiten verdient auch die Infrastruktur Beachtung. «Sie haben für die Office-Trainings gleich einen Kraftraum und eine Turnhalle neben der Eishalle, das fehlt uns beispielsweise.»

Aus Trauer entsteht eine Nachwuchsorganisation

Lokomotive Jaroslawl beginnt seine Nachwuchsarbeit unter traurigen Umständen. 2011 verstarben bei einem Flugzeugabsturz 44 Menschen, darunter fast die ganze erste Mannschaft des KHL-Teams aus Jaroslawl. Durch die Fördergelder, die Jaroslawl nach diesem Unglück erhielt, investierte der Klub nicht nur in die erste Mannschaft, sondern erschuf eine neue Nachwuchsorganisation. Sieben Jahre später gehört Lokomotive mit zwei Hockeyabteilungen und insgesamt 900 Schülern zu den grössten und besten Hockeyschulen Russlands.

Jaroslawl setzt nur auf Spitzensport

Anders als bei den GCK/ZSC Lions ist Jaroslawl nur auf den Spitzensport ausgerichtet. Jost sieht hier den grössten Unterschied zur Lions-Organisation: «Breitensport hat es bei uns immer gegeben und ich bin froh, dass wir das weiterhin ermöglichen können.» Mit dem neuen Eishockeystadion, das 2022 in Betrieb genommen wird, seien der Breitensport und der Nachwuchsleistungssport noch besser realisierbar. Denn die Struktur und die Infrastruktur bestimmen den Werdegang des Eishockeybetriebs, «deswegen besuchen wir auch immer wieder andere Nachwuchsorganisationen.»