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13.03.2019

Morgenstund hat Gold im Mund

5.30 Uhr vor der KEBO. Stockdunkel. Piccolo-Stufenleiter Fabio Schwarz öffnet die Tür zur Eishalle. Die Kinder steigen vereinzelt aus den Autos aus, nehmen die riesigen Hockey-Taschen von der Mutter oder dem Vater entgegen und trudeln Richtung Kabine. Sie reiben sich die Augen. «Um 4.30 Uhr habe ich meinen Sohn Levi geweckt. Es ist nicht immer gleich einfach, so früh am Morgen aufzustehen. Wenn er gehen will, steht er ohne Probleme auf und dann machen wir uns auf den Weg», sagt Nina Eggenschwiler. Es sei langsam zur Routine geworden und deshalb nicht mehr so tragisch, so früh aufzustehen. Ausserdem teilt sie sich den Fahrdienst mit einer anderen Mutter. «Am Anfang hatte ich aber schon das Gefühl, ich sei im falschen Film.»

Neues Stadion löst die Eisproblematik

Bis zu sieben Trainings können die Kinder in der Piccolo-Stufe besuchen – drei am Nachmittag oder am frühen Abend und vier am Morgen. Das Schulsystem und das wenig verfügbare Eis zwingen den Klub dazu, den Kindern bereits morgens um 6 Uhr ein Training anzubieten. «Die frühen Kurse sind aus der Not entstanden», sagt Lions Nachwuchs-Sportchef Richi Jost. «Am Abend beginnt in der Stadt Zürich der Kampf ums Eis. Es braucht eine gute Planung, um das Eis für den Leistungs- und Breitensport mit 600 bis 700 Spielerinnen und Spielern zu koordinieren. Deshalb haben wir uns entschieden, zur Entlastung um 6 Uhr morgens Trainings zu geben.»

Die Eisproblematik sollte sich mit dem neuen Stadion spätestens 2022 beruhigt haben. «Wir haben dann zwei Eisfelder nur für uns zur Verfügung. So müssen wir vermutlich nicht mehr nach weiterem Eis suchen, wie wir dies zurzeit machen», erklärt Jost. Die Eisfelder Heuried, KEBO, Dolder und KEK werden aber auch nach dem Bau der Eishockey-Arena weiterhin gebraucht werden.

Trainer stehen immer zur Verfügung

Es ist kurz vor 6 Uhr. Die meisten Piccolos stehen bereits auf dem Eis. Die Müdigkeit ist verflogen. Mit den acht Kindern, die heute am Training teilnehmen, wird hauptsächlich an der Technik gefeilt. «Diese Kurse gelten als Zusatztrainings, deshalb liegt der Fokus immer auf dem Schlittschuhlaufen und der Scheibenführung», sagt Stufenleiter Schwarz, der normalerweise auf fünf bis fünfzehn Kinder, je nach Wochentag, zählen kann. Die Trainer sind somit um jede Uhrzeit bereit, den Nachwuchs weiterzubringen. «Ich geniesse die Trainings so früh am Morgen. Man hat danach den ganzen Tag noch vor sich.»

Um 7 Uhr pfeift Schwarz das Training ab. «Ich trainiere schon lieber am Abend», gibt der neunjährige Jannis zu. «Doch das Eishockey macht auch so früh am Morgen Spass.» Jetzt gehts für die Kinder schnurstracks in die Schule. «Was? Du freust dich auf die Schule?», fragt der eine Junge das Mädchen verdutzt. Für die einen fängt die Pflicht erst jetzt an, für die anderen geht der Spass weiter.

Text: Martina Baltisberger