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14.07.2021

Skillcoach 2.0: Mit Yoga und Ernährung

Die GCK/ZSC Lions bieten jedem Eishockeyspieler, egal ob Leistungs- oder Breitensport, die optimale Ausbildung auf dem Eis. Doch um es ganz nach oben zu schaffen, braucht es nicht nur perfekte Schlittschuhskills oder treffsichere Schussabgaben. Ein Hockeyspieler sollte auch physisch und mental in Top-Form sein. Deswegen hat die Nachwuchsorganisation der GCK/ZSC Lions das Projekt «Skillcoach 2.0» ins Leben gerufen. Das Angebot umfasst die Bereiche Athletik, Yoga, Ernährung und Mentaltraining und wird von Sportschülerinnen und -schülern ab der U13-Stufe genutzt. «Wir wollen jedem unserer Schüler die Möglichkeit geben, mit ungefähr 20 Jahren aus dem Nachwuchs zu kommen und einen Rucksack vollgepackt mit Wissen mitzunehmen», erklärt Ausbildungschef Fabio Schwarz das Ziel des Projekts. «Schiessen auf dem Eis können alle. Wir sind davon überzeugt, dass der Unterschied woanders ausgemacht wird. Deswegen setzen wir auf Diversität und eine ganzheitliche Ausbildung unserer Schüler, die nicht nur das Eishockey per se beinhaltet.»

Vielfältiges Angebot

Martin Kierot ist als Athletikcoach für die Kraft- und Ausdauertrainings verantwortlich. Das klassische Off-Ice-Training ist keine Neuheit, aber mit Stephan Schallenberg wurde ein zusätzlicher Trainer geholt. Der Fokus liegt damit noch mehr auf dem Muskelaufbau. Im Yoga lernen die Schüler durch Corinne Wenker, wie sich die Mobilisation, Beweglichkeit und Stabilisation positiv auf die Bewegungen auf dem Eis auswirkt. «Corinne hat schon mit Roman Josi und Mark Streit zusammengearbeitet. Sie kennt das Eishockey und weiss, welche Übungen es braucht», sagt Schwarz. Die richtige Ernährung ist ebenfalls ein Faktor, der den Unterschied ausmachen kann. Pascal Rostetter erklärt in mehreren Präsentationen, was man vor, während und nach dem Match essen sollte und welche Nahrungsmittel die Regeneration fördert. In einer Partie spielt sich bei einem Eishockey viel im Kopf ab. Um in den richtigen Momenten cool bleiben zu können, bietet Renato Schwarz Mentaltraining an.

Reflektion nach Niederlage

«Wir wollten nach neuen Wegen suchen, um unsere Spieler weiterzuentwickeln», sagt Schwarz. Die Idee entstand, nachdem die A-Mannschaft die Playoffs 2019 verpasst hat. «Wir haben uns gefragt, was können wir im Nachwuchs verbessern? Das Hockey ist ausgereizt. Deswegen haben wir uns mehr an den Softskills orientiert.» Schwarz betont, die einzelnen Bereiche seien nichts Neues. Trotzdem sind die GCK/ZSC Lions eine der wenigen Organisationen, die auf ein solch breites Angebot setzen. «Der EVZ hat mit dem OYM etwas ähnliches konzipiert. Ansonsten kenne ich keinen Klub, der sich so umfassend aufgestellt hat.»

Resonanz bei den Spielern positiv

Das Angebot ist freiwillig und wird immer mehr genutzt. In den Bereichen Ernährung und Yoga gibt es hauptsächlich Gruppenlektionen. Möchte der Spieler individuell an sich arbeiten, kann er dies in zusätzlichen Einzelstunden tun. «Beim Mentaltraining haben wir gemerkt, dass Gruppenstunden nicht förderlich sind. Die Schüler sind zu unkonzentriert. Hier wird vor allem individuell gearbeitet», sagt Schwarz. Erste Erfolge sind bereits sichtbar geworden. Ein Spieler, der seine mentalen Fähigkeiten gestärkt hat, ist in dieser Saison Topscorer geworden. Ein anderer hat mit der richtigen Ernährung elf Kilogramm zunehmen können. Schwarz zeigt sich zufrieden: «Es ist schön, schon erste positive Ergebnisse zu sehen. Ich bin überzeugt, es werden weitere folgen.»

Martin Kierot, Athletikcoach

«Durch Athletiktraining versuchen wir die Leistungsfähigkeit in der Zielsportart (Eishockey) zu verbessern. Dazu müssen wir definieren, was es körperlich braucht, um gut Eishockey spielen zu können. Dazu gehört die Fähigkeit, maximal schnell zu Beschleunigen/Sprinten und das repetitiv abrufen zu können. Während den Pausen muss sich der Körper schnell erholen, um im nächsten Einsatz bestmöglich performen zu können. Zudem braucht der Körper gewisse Grundlagen, um über eine Saison hinweg das hohe Trainings- und Spielpensum dauerhaft abrufen zu können. Da Eishockey ein Kontaktsport ist, ist eine gewisse Robustheit von Vorteil.»

Corinne Wenker, Yoga-Lehrerin

«Ich war gespannt darauf, wie die Jungs in ihrer Sturm- und Drang-Phase als Teenager auf Yoga und die damit zusammenhängenden Körper- und Mentalübungen ansprechen würden. Sie haben grossartig mitgemacht, mit viel Freude, wie ich erfahren durfte! Auch mir hat es grosse Freude bereitet, dass ich ihnen ein wenig vom body-mind-soul-Verständnis mit auf den Weg geben konnte. Ich bin dankbar dafür, dass ich die Jungs in dieser – gerade für Teenager – nicht ganz einfachen Zeit in der Stärkung ihres Vertrauens unterstützen durfte. Die Weitsicht des Nachwuchsteams, den mentalen Bereich ins Training einzubauen, finde ich sehr bemerkenswert. Nebst Technik und Physis ist es doch vor allem auch der mentale Bereich, der künftig den Unterschied ausmachen kann. Mark Streit ist das beste Beispiel dafür.»

Pascal Rostetter, Ernährungsberater

«Im Leistungssport ist die Ernährung einer der entscheidenden Faktoren für die Leistung. Die Lions-Nachwuchsorganisation hat dieses Potential erkannt und fördert aktiv eine gesunde und leistungsorientierte Sporternährung. Als Ernährungsberater imponieren mir die Zusammenarbeit auf Augenhöhe und die vorbildliche innovative Denkweise des Lions-Nachwuchs. Wer wie ein Profi spielen möchte, der sollte sich auch wie ein Profi ernähren!»

Renato Schwarz, Mentalcoach

«Sich mit einem selbst und seinen Gedanken bewusst auseinanderzusetzen, kann eine grossen Herausforderung sein. Wir unterstützen unsere Nachwuchssportler/innen auf ihrem persönlichen Weg dahin. Sehr vieles beginnt im Kopf: Die Gedanken legen das Fundament, mit welcher Einstellung man einem selbst, der Mannschaft, dem Training/Wettkampf, der Ernährung, der Erholung und vielem mehr gegenübertritt.»

Text: Martina Baltisberger